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Sonntag, 15. Februar 2009
Fünf Jahre Utopie
Das die eigenen Utopien der Vergangenheit immer wieder in der jeweils eigenen Jetztrealität auftauchen, zeigt das Langzeitprojekt "netznetz". Am Anfang 2004 stand die Utopie des vernetzten Handelns als Ablösemodell einer representativpolitischen und zentralhierarchischen Gesellschaftspraxis plötzlich greifnahe vor einem selbst. Die Digitale Multitude, die anstatt starrer Verbünde mit flexiblen Affinitäten an einem grundlegend veränderten Entwurf sozialer Interaktion pioniert. Eine Utopie damals. Der Stadtrat fragte damals, auf welches Ziel soetwas hinauslaufen kann. Ich kann mich erinnern, wie ich euphorisiert erklärte, dass hier etwas am entstehen ist, dass auch dann noch Antworten zu liefern im Stande ist, wenn die Systeme an die Wand gefahren sind. Nun, dieser Tag ist augenscheinlich nun da. Obwohl die Praxis in Netznetz im Konkreten das utopische Potential eingebüßt hat, ist die Idee der "digitalen multitude" aber so elektrisierend wie eh. Wie sich auch in einem Kickoffmeeting von FAS.research herausgestellt hat - die Utopie von damals ist bereits der Mainstream zukünftiger Governance-, Marketing- und Strukturconsultance. Hier zwei Slideshows mit 5 Jahren Abstand:
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Samstag, 17. Januar 2009
FOAF - vienna style
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Image via WikipediaIch beschäftige mich ja von berufswegen mit semantischen Netzwerken. Social Networks liegen da gerade in meinem Fokus. Die ersten Ansätze (FOAF, myBlogLog) finden sich demnach auch auf dieser Seite. Was ich mich Frage, ist inwiefern ein Nutzen durch solche Freundschaftssammlungen gestiftet werden kann - wenn man also wirklich qualitativ Netzwerke abbilden will. Ich denke jene Tools die bloß "followers" abbilden - also bloße unbewertete / unkommentierte Anbindung an eine Person - werden zu keinem echten Netzwerknutzen führen ... das wird sich wohl in den nächsten Monaten zeigen. Man bräuchte da schon genauere Relationsbeschreibungen. Ein solche präzisere Beschreibung wäre u.A. ein Feind-Of-A-Feind-Netzwerk. Sozusagen die Wiener Art des FOAF-RDF. Helmut Qualtingers Netzwerkanalyse ist da eventuell hilfreich: "Das einzge Lob, das es in Wien gibt, ist der Neid. Die einzige Zufriedenheit, die es in Wien gibt, ist de Tod."
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Freitag, 2. Januar 2009
Kulturhauptstadtjahre
Ich hab sie ja gerne, die Kulturhauptstadtidee der Europäischen Union. Mir ist schon klar, dass gerade die alternative Kulturszene leidliche Probleme (linz09.info !!) mit dem Umgang der Politik mit lokalen Szenen und Einrichtungen im Klammergriff der Repräsentnativkunst hat. Und doch finde ich's gut. Ich fand Graz03 sehr gut und besuchenswert, und ich freu mich auch für und mit Linz.
Ich konsumiere manchmal einfach auch gerne und problemlos. Und da ist so eine Kulturanhäufung, nebst herausgeputzter Stadt und 1A-Architektur schon was gutes. Und weil's diesmal wirklich nur eine halbe Autostunde entfernt lag, habe ich mir auch die Eröffnung in der Silvesternacht gegeben. Und das war schon gut: Anstatt der ansonsten am Hauptplatz aufspielenden Jazzgitti, gab's Texta, Attwenger und Louis Austen und anstatt der Abba-Disko gab's Zwölftonmusik. Einfach so den LinzerInnen vor die Füsse gerotzt. Und die fanden das dann auch noch gut. Das ist schon gut. Mir taugts, und ich werde mir noch einige Dinge geben da.
Ich konsumiere manchmal einfach auch gerne und problemlos. Und da ist so eine Kulturanhäufung, nebst herausgeputzter Stadt und 1A-Architektur schon was gutes. Und weil's diesmal wirklich nur eine halbe Autostunde entfernt lag, habe ich mir auch die Eröffnung in der Silvesternacht gegeben. Und das war schon gut: Anstatt der ansonsten am Hauptplatz aufspielenden Jazzgitti, gab's Texta, Attwenger und Louis Austen und anstatt der Abba-Disko gab's Zwölftonmusik. Einfach so den LinzerInnen vor die Füsse gerotzt. Und die fanden das dann auch noch gut. Das ist schon gut. Mir taugts, und ich werde mir noch einige Dinge geben da.
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Samstag, 13. Dezember 2008
UMTS behindert Brownsche Bewegung
Heute in der Mariahilferstrasse. An einem Shoppingsamstag kann man sehr gut die Brownsche Bewegung als Phänomen der Ordnung in der Masse beobachten. Obwohl sich tausende Individuen shoppingtrunken in der Einkaufstrasse befinden kommt es zu keinen Stillständen. Das stätige Ausweichen, Wegsuchen und sich Mit-Der-Masse-Abstimmen wird vom Prinzip der gegenseitigen Beinflussung via Brownschem Theorem gesteuert. Doch nun kommen Mobiltelefonierer/innen ins Spiel. Diese bleiben unabgestimmt plötzlich stehen, starren beim Telefonieren gedankenverloren Löcher in die Luft und verlieren so die Abstimmung mit ihren Rudelnachbarn. Plötzlich laufen Leute aufeinander, entstehen Staus und Menschenverklumpungen. Schluß mit Brown - uns Schuld sind die ungesteuert herumstehenden Körper der via cellphone in die Parallelwelt abgetauchten Handynutzer.
Sonntag, 30. November 2008
Die französischen Burgenländer/innen
In der Werbung zum Film heißt es: "20 Millionen Franzosen und Französinnen können nicht irren!". Und tatsächlich, die haben sich nicht geirrt, als sie in den netten Film "Willkommen bei den Sch'tis" gegangen sind. So auch gestern im ausverkauften Village Cinema in Wien. Wer einen Abend mit unkomplizierter leichter aber nicht dämlicher Unterhaltung will, der ist bei diesem Film goldrichtig: Ein Postbeamter tut alles um an's Meer versetzt zu werden, und gerät dabei in den nördlichsten Zipfel (sic) Frankreichs - in das eisnebelgeschüttelte Beargue. Die Menschen dort sprechen einen sonderbaren Dialekt, haben andere Bräuche, andere Städte und doch die gleichen Sorgen, besonders mit der Liebe. Genug Stoff für eine - zu keiner Zeit Längen habenden - Komödie, ohne deutsche Quatschdialoge oder amerikanische Überdrehtheit. Anschauen!
Mittwoch, 29. Oktober 2008
NY/NY: Hu-hu-hu (Indianer) ... Uh Huu Her (Popband)
Letzter Tag! Das recht pompös aufgemachte National Museum of the American Indian war zwar gratis, konnte mich aber auch nicht ganz zufriedenstellen, da ich kaum was über die politischen und gesellschaftlichen Aspekte der Landnahme durch die Euro-Amerikaner (so werden die Einwanderer genannt), noch was über die derzeitige Lage erfahren konnte. Die Sonderausstellung zu Mode und Design der sogn. Amerikanischen Indianer war sehr gut.
Danach der Fährtripp nach Staten Island. Am Hurrican Deck konnten wir dann auch nochmal uns selbst und die Freiheitsstatue ins windige Bild bringen. Fein. Kurzer Lunch auf der Insel und wieder zurück mit der Fähre. Diesen Fährtripp am Schluss der Reise zu machen, ist jedem zu empfehlen - da 1.) gratis und 2.) ein guter, ein bissl wehmütiger letzter Blick auf die Skyline möglich ist.
Am Schluß wollten wir es nochmal krachen lassen: Konzert von UH HUU HER in "The Fillmore" am Irving Plaza. Was soll ich sagen: Die Vorband war hervorragend, und die Girls von UH HUU HER, die in ihren High Heels nur zu minimaler Bühnenpräsenz fähig waren, hatten gröbere Probleme mit der Monitoranlage. Dementsprechend atonal war das Ganze. Das Publikum hat trotzdem getobt. Wir sind lachend ein bissl früher abgebogen ... irgendwie ein Spass. Wahrscheinlich kommen die nochmals groß raus - und wir haben sie verkannt.
Dienstag, 28. Oktober 2008
NY/NY: Kommerz vor Kunst
Was am Donnerstag nicht glückte, war heute kein Problem. Ohne Warteschlange in Zaha Hadids Mobile Art im Central Park zu kommen. Zweifelsohne feine Architektur. Doch bei der Ausstellung wird man nicht recht Klug, was die Kuratoren da als Ziel hatten. Abfeiern der "Schönheit der Kunst", doch Branding des Label Chanel oder sonstwas. Die KünstlerInnen wussten das augensscheinlich auch nicht so recht und haben Arbeiten zwischen völliger Anpassung, Ignoranz oder und verhaltener Kritik dem Auftraggebern gegenüber, abgeliefert. Die Ausstellungsmacher wiederum hatten klar die Chanelkunschaft - von Gegenüber aus der Park Avenue - vor dem geistigen Auge, bei Design von Texten, Leitsystem und einem völlig überbordenden Heer an BetreuerInnen. Man wähnte sich eher in einem Shop in der 5th, wo einem Hundchen abgenommen, Herrchen extra eine Zigarre und einen Glenkinchie zum Warten bekommt, und eben ein Heer von Menschen dazu da sind Türen aufzuhalten, Willkommen zusagen, Danke zusagen oder nur anzulächeln. Conclusio - Mobile Art hat drei Elemente: Hadids gute Architektur, der Kuratoren eigenartige Schau und eine Armada von Chanelleuten die einem umschwirren.Von übermäßiger Publikumsumsorgung kann man im Whitney Museum nicht sprechen. Das hat nähmlich um 13:30 zugesperrt. Zu früh für uns.
Also blieben wir beim Kommerz. Das nahe Macy's Kaufhaus bot vor allem eine überbordende Auswahl an Schuhen (die hier jeder anprobiert und einfach am Boden liegen läßt) und Damenbekleidung. Ich kauf ja selbst nicht so gerne ein, aber ich gehe gerne mit wem mit, der Lust am Einkaufen hat. Insofern waren Helene und ich recht glücklich beim Stöbern bei Macy's. Herauskamen dabei ein paar hochgestellte Strassenschlüpfer von Anne Klein. Guterkauf! Die Anfangs etwas rüde Verkäuferin (wirft Dir einfach das Maßeisen vor die Füsse) stellte sich als ein Herz heraus, als sie 20 Minuten lang probierte für Helene (die natürlich keinen Wohnsitz in NYC hat) eine Ermäßigungskarte für Macy's bei ihrem Management zu checken.
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